Veranstaltungen Erste Landesqualitätskonferenz der klinischen Krebsregister in Sachsen

Veranstaltungsbericht Landesqualitätskonferenz

Wie verlässlich und vollständig sind die Daten, die in klinischen Krebsregistern erfasst werden? Wo werden wie viele Patienten behandelt? Gibt es Unterschiede in der Qualität der behandelnden Einrichtungen? Mit diesen und zahlreichen weiteren Fragen beschäftigten sich die Teilnehmer der ersten Landesqualitätskonferenz der klinischen Krebsregister in Sachsen am 29. Februar 2020.

Fast 100 Teilnehmer kamen zur ersten Landesqualitätskonferenz der klinischen Krebsregister in Sachsen in die Sächsische Landesärztekammer.
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Begrüßt wurden die Gäste durch Frau Staatssekretärin Dagmar Neukirch vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS) und den Vizepräsidenten der Sächsischen Landesärztekammer, Prof. Dr. Uwe Köhler. Beide betonten die Bedeutung der Veranstaltung und der gemeinsamen Diskussion für die Qualitätssicherung der onkologischen Versorgung im Freistaat.

Im ersten Teil der Veranstaltung zog Corina Riedrich vom SMS ein positives Resümee zum Umsetzungsstand der klinischen Krebsregistrierung in Sachsen. Dies zeige sich u. a. daran, dass im Jahr 2019 insgesamt 706 aggregierte Rückmeldungen an die Leistungserbringer versendet wurden. Kritisch diskutiert wurde, dass es nach wie vor Einrichtungen gibt, die ihrer Meldepflicht nicht nachkommen. Alle notwendigen Unterlagen zur Meldung der Daten sowie Informationsmaterialien für Patienten und Ärzte finden sich auf der Internetseite www.krebsregister-sachsen.de. Darauf wies Sandra Lehmann von der Gemeinsamen Geschäftsstelle in ihrem Beitrag zu den Strukturen der Krebsregistrierung hin.

Carmen Werner, Leiterin des Klinischen Krebsregisters Dresden, wies in ihrem Vortrag auf die Bedeutung einer vollständigen und zeitnahen Meldung hin. In der sich anschließenden Diskussion kamen zahlreiche Fragen auf, die insbesondere die Vergütung und die Meldefrist von 4 Wochen betrafen.

Die Ergebnisse des ersten Jahresberichts der klinischen Krebsregister in Sachsen rundeten den ersten Teil der Veranstaltung ab. Frau Dr. Daniela Piontek, Leiterin der Gemeinsamen Geschäftsstelle, berichtete, dass für den Bericht erstmals die Daten der vier klinischen Krebsregister gemeinsam ausgewertet wurden und für das Jahr 2016 knapp 29.000 neue Krebserkrankungen dokumentiert wurden. Details des Jahresberichts finden Sie auf der gemeinsamen Website.

Der zweite Teil der Veranstaltung war der Frage gewidmet, welche klinisch relevanten Fragen die Krebsregistrierung beantworten kann. Dies wurde anhand von zwei Entitäten betrachtet. Zunächst stellte Dr. Harald Schmalenberg vom Städtischen Klinikum Dresden die aktuellen Ergebnisse zum Magenkarzinom vor. Sein Beitrag zeigte, dass Magenkarzinome am gastroösophagealen Übergang keine schlechtere Prognose als Karzinome anderer Lokalisationen haben. Patienten profitieren tendenziell, wenn sie in Krankenhäusern mit einer hohen Anzahl von Gastrektomien operiert werden. Ähnlich wie es in klinischen Studien gezeigt werden konnte, haben Patienten mit neoadjuvanter oder perioperativer Chemotherapie eine signifikant bessere Prognose als Patienten, die nur operiert wurden.

Im zweiten Themenblock beschäftigte sich Dr. Steffen Drewes vom Fachkrankenhaus Coswig mit aktuellen Entwicklungen beim Lungenkarzinom. Anhand der Registerdaten konnte er zeigen, dass ein frühes Tumorstadium die Prognose verbessert, was die Frage nach einem Screening von Risikopatienten aufwirft. Bei einer insgesamt sehr schlechten Prognose der Patienten verbessert die Behandlung in einem Zentrum die Überlebenszeit deutlich. Auch neuere Immun- und zielgerichtete Substanzen zeigen insbesondere in fortgeschrittenen Krankheitsstadien positive Effekte auf das Überleben.

Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierte Prof. Stefan Fröhling vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg aktuelle Perspektiven der personalisierten Onkologie. Auch wenn die notwendigen Daten aktuell nicht in den klinischen Krebsregistern abgebildet werden können, war der Blick auf die Möglichkeiten der molekularen Diagnostik für die Teilnehmer sehr interessant.

Die Geschäftsstelle der klinischen Krebsregister und die vier Register freuen sich über das entgegengebrachte Interesse an der Veranstaltung und möchten sich auch auf diesem Weg nochmals bei allen Leistungserbringern und Dokumentaren für die Unterstützung bei der klinischen Krebsregistrierung bedanken.

Anmerkung: Dieser Text erscheint in gleicher Form in der Ausgabe 4/2020 im Ärzteblatt Sachsen.

Bei Fragen können Sie sich gern an die Gemeinsame Geschäftsstelle wenden:

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